Die Fliegen / Der Butcher
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Samstag, 11.07.2020

Top Ten Fliegen für Irland

Alle Angelfreuden auf einer DVD

Der Butcher

Mr. Moon aus dem englischen Tunbridge Wells, Schlachter von Beruf, hat diese Fliege ursprünglich gebunden, irgendwann so um 1830.
Zuerst wurde sie Moon's Fliege genannt. Der Name Butcher (Schlachter) kam erst später auf und bezieht sich auf Mr. Moon's Beruf, nicht auf die Eigenschaften seiner Fliege.
Wie dem auch sei, es ist eine der tödlichsten Fliegen die Sie Forelle oder Meerforelle vorsetzen können. Lachs, Barsch, Äsche, Döbel, Zander, der Butcher scheint für alles überall gut zu sein, repräsentiert nichts im Besonderen und ist immer einen Versuch wert. Tief und langsam gefischt, ist die Fliege hervorragend dazu geeignet, früh in der Saison Bachforellen zu fangen, wenn sie als Fischchen oder Käfer genommen wird.

Details

Über die Jahre sind viele Variationen entwickelt worden; da ist der Bloody Butcher, mit roter Hechel; der Kanarien Butcher mit gelber Hechel, einen Irischen Butcher gibt es natürlich auch und noch eine Menge anderer.
Hakengrößen können stark variieren, je nachdem welche Fischart Sie fangen möchten: 4 oder 6, bis hinunter zu 12 oder 14 für Forelle.

Materialien
Bindefaden: schwarz
Schwanz: ein paar zusammenhängende Fibern einer roten oder rot gefärbten Feder
Körper: Flachsilber
Rippung: Silberfaden
Hechel: Henne, schwarz, zwei bis drei Windungen
Flügel: Krähenfedersegmente, oder aus einem Satz blauschimmernder Entenflügelfedern.




Angeln und Fliegenbinden: Der Butcher


Winkende Arme

Meine Fliegenfischerei startete 1974 an der Weser, etwa dort wo das Weserbergland in die Norddeutsche Tiefebene übergeht. Ich angelte damals bereits seit zwölf Jahren, las selbstverständlich Zeitschriften und Bücher zum Thema. Die Hohe Schule des Angelns, so wurde das Fliegenfischen in diesen Publikationen oft tituliert. Mein Ehrgeiz ein solches Gerät zu besitzen und zu meistern war geweckt.
Im Katalog eines (natürlich) englischen Herstellers fand ich eine Gespließte, dreiteilig mit zwei Spitzen, für 24DM. Bernie, der Gerätehändler am Ort, bestellte das Ding, zusammen mit einer Rolle, langsam sinkender Parallelschnur sowie einem Fliegensortiment. Das Ganze kam auf 54DM; gerade noch erschwinglich.
Es war mir niemand bekannt, der schon einmal eine Fliegenrute in der Hand gehalten hatte, selbst Bernie, der fast jeden Angler der Gegend zu seinen Kunden zählen konnte, war nicht in der Lage mir einen Lehrer zu vermitteln: er kannte auch niemanden der mit der Fliege fischte.
Also wieder zurück zur Theorie. Nachdem alles verfügbare Material nochmals gelesen war, gab es zum normalen Fliegenwurf mit allen seinen Phasen keine Fragen mehr: die Zeichnungen und Fotos waren anschaulich genug, das sah alles einfach aus.


Für die ersten Wurfversuche erschien mir der letzte Buhnenkopf, hinter dem Wasserkraftwerk bei Schlüsselburg an der Weser, als besonders geeignet. Hauptsächlich weil die Wahrscheinlichkeit dort von jemandem gesehen zu werden, so abwegig wie der Ort selbst war.
Mein Fliegensortiment bestand aus zwölf Dingern. Haken mit bunten Federn und Wolle dran. Ich wählte ein Silbernes mit rot und schwarz aus (später erfuhr ich dass es sich dabei um einen Butcher handelte). Nachdem die Fliege angeknotet war, stellte ich mich auf die Mitte des Buhnenkopfes, so dass vor, wie auch hinter mir Wasser war und begann zu peitschen. Irgendwann landete die Fliege vor mir im Wasser und wurde sofort von einem Barsch genommen. Der erste Wurf mit der neuen Angel und gleich ein Fisch, das ist ja eine Wundermethode, viel besser als Blinkern. Nach ein paar weiteren Würfen, war das Wasser um mich herum so aufgewirbelt, dass sich dort sicher kein Fisch mehr aufhielt.
Theoretisch war ja das Werfen nichts Fremdes mehr: Rückschwung, Stopp, Timing, Vorschwung. Keine unbekannten Begriffe. Aber es funktionierte einfach nicht. Die Zeichnungen und Beschreibungen gingen immer davon aus, dass irgendwann während einer Wurfphase, die Schnur völlig gestreckt und gerade ist. Bei mir war aber immer Alles in einer ständigen Kreisbewegung. Das Aufsetzen war immer unzufriedenstellend. Zuerst klatschte der Schnurbauch aufs Wasser, dann fiel das bisschen Schnur, das ich in die Luft gebracht hatte, vor meine Füße. Es machte mich fast rasend, war ich doch überzeugt, dass jeder halbwegs gelungene Wurf mit diesem Wunderding am Ende der Schnur, einen Fisch bringen würde.
Jupp und Erwin, die mittlerweile auf der anderen Weserseite ihre Hocker aufgestellt hatten und auf Rotfedern stippten, wurden von mir gar nicht bemerkt. Ich war zu sehr mit meinen Wurfversuchen beschäftigt.


Am nächsten Tag, in Bernies Angelladen, fragte mich dann Jupp: warum hast du denn andauernd gewunken?
Ich, gewunken, wieso?
Na ja, du hattest dauernd den Arm oben und hast gewunken, wir dachten schon dich hat’s erwischt.

Also erklärte ich Jupp was mir über die Fliegenfischerei bekannt war, was nicht lange dauerte. Dabei musste ich feststellen, dass der Kollege nicht ganz sicher war, ob er glauben sollte was ihm da erzählt wurde, ob ihm jemand einen Bären aufbinden wollte, oder ob tatsächlich bei mir was ausgerastet war.
Blödmann, sagte Jupp dann überzeugt, Fische fangen mit bunter Wolle und Federn, wenn jedes Kind weiß dass sie am besten auf Maden beißen.