Die Fliegen / Die Märzbraune
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Donnerstag, 14.12.2017

Top Ten Fliegen für Irland

Alle Anglerfreuden auf einer DVD

Die Märzbraune

Rhitrogena haarupi, eine Maifliegenart, ist was unsere künstlichen Märzbraunen darstellen sollen.
Das Insekt existiert nur in schnellfließenden Gewässern, trotzdem fangen die Imitationen gut in unseren Seen. Die Fliege eignet sich bestens als Springer, nicht nur im März, sondern während der ganzen Saison. In den Oberläufen unserer Flüsse kann die Märzbraune, besonders nach Regenfällen, erstaunlich gute Forellen produzieren.

Details

 

Variationen über Variationen und Untergruppen laden zum Experimentieren mit Farben und Materialien ein; für mich ist die, hier gezeigte, Spider-Version am besten gelaufen:
Hakengrößen rangieren von 8 bis 12, wobei 10 und 12 am gängigsten sind.

Materialien
Bindefaden: oliv
Schwanz: Flankenfeder Stockente; 2 bis 3 Fibern (optional)
Körper: Woll- oder Felldubbing, dunkelbraun
Rippung: Goldfaden
Körperhechel: Henne, hell-oder rotbraun
Kragenhechel: dunkle, weiche Rebhuhnfeder

 




Die Maerzbraune als Spiderversion


Nur Fliege erlaubt

Ein kleiner Lebensmittelladen auf einer Anhöhe, stellte das Ende des Siebenhäuserdorfes Podturn dar. Etwas unterhalb, hübsch von der Straße umgangen, am Fuß eines bewaldeten Hügels, ein kleiner, runder See. Die Quelle der Radejsica. Der Fluss kam aus dem Berg, bildete diesen Kessel und floss dann durch ein Tal. Lieblich; Wiesen und ein paar Maisfelder. Keine Häuser bis zur Mündung in die Krka, hinten vor den Bergen.

Glasklares Wasser kam aus dem Karst; die Radejsica, von Anfang an ein Fluss; 10 bis 12 Meter breit. Gustl, Wirt der Gostilna am Ort, benutzte das Wort Ursprung. Es schien uns sehr passend.

Ihr fischen mit Fliege? fragte Gustl und wir nickten eifrig als er uns die Tageskarten ausstellte.
Natürlich.
Das sehr gut, weil ist nur Fliege erlaubt, in Radejsica.

Helmut sah mich an und ich sah bestimmt genauso erstaunt aus wie er: so weit hätten sie nun auch nicht gleich zu gehen brauchen.
Für jemanden, der von den heimischen Gewässern die gesamte Köderpalette gewohnt war, stellte diese Fly Only Restriktion etwas ziemlich Unverständliches dar.

Auf jugoslawisch, deutsch und französisch standen die Bestimmungen und Erläuterungen auf der Angelkarte. Bachforellen, Regenbogenforellen und Äschen gab es zu fangen. Drei Fische pro Tag und Angler durften entnommen werden.

Wir kramten unsere spärlichen Fliegenausrüstungen aus dem Auto hervor. Blinkerruten, Stationärrollen, jede Menge schönster Spinner blieben im Wagen. Dann fischten wir die gesamte sechs Kilometer lange Radejsica ab. Von der Quelle bis zur Mündung in die Krka.
Fische waren da. Viele sogar und große, in dem klaren Wasser konnten wir gut sehen, wie sie hinter Krautfahnen auf antreibende Nymphen lauerten, oder mehr frei standen, auf Oberflächennahrung fixiert. Wir sahen sie steigen, besonders die Äschen im unteren Teil schienen unermüdlich.

Tagelang versuchten wir krampfhaft einen Fisch an die Fliege zu bekommen. Vergebens. Und wir lächelten nicht mehr so freundlich zurück, wenn Gustl uns mit seinem: jetzt arme Fische nach dem Angelkartenkauf oder dem Mittagessen verabschiedete.
Will der uns veräppeln?
An einem Abend zeigten wir ihm unsere Fliegen, fragten welche denn wohl fängig wären. Er deutete auf ein paar braune Muster: das hier sehr gute Fliegen, war sein Kommentar und wir wussten ohnehin, dass es an uns lag, denn Fische waren ja genug da.
Zunächst wieder der Wurfstil: die Schnüre flogen uns in großen Bögen um die Ohren. Von einem geschickten präsentieren der Fliege konnte nicht die Rede sein und wir hakten oft das Gras hinter uns. Was mich am meisten zermürbte: da war ein Apfelbaum, in dessen Nähe ich nur zu kommen brauchte, schon hing die Fliege drin.

Aber wir waren allein am Fluss, es bestand keine Gefahr sich dem Gespött oder Gelächter Anderer ausgesetzt zu fühlen. Wir schimpften und fluchten leise, manchmal auch nicht so leise, vor uns hin; fummelten unsere Fliegen aus Bäumen und Büschen, Maiskolben oder Grasbüscheln. Unterbrochen nur durch das tägliche Erscheinen eines kleinen, dicken Mannes mit dichtem schwarzen Seehundsbart. Sein Moped war weithin zu hören, wenn er auf der Suche nach Anglern die Feldwege entlangknatterte.
Der Fischgeneral steckte in einer heruntergekommenen Phantasieuniform. Als Zeichen seiner Autorität trug er einen schweren Revolver am Gürtel. Er lächelte aber stets freundlich und fragte nur nach dem Kontrolni Kupon, einem Abriss an der Angelkarte, den er, als Beweis seiner Tätigkeit der Fischereibehörde vorzulegen hatte.


Wenn morgen nichts passiert, gebe ich es auf! Helmut saß niedergeschlagen beim Abendessen und meine Hoffnung hier noch etwas zu fangen war auch nicht mehr besonders groß.
Am nächsten Morgen regnete es heftig. Ein weiterer Grund für mich, Kummer und Frust bezüglich der Angelei zu ertränken. Sljivovica und Pivo Varna. Gleich nach dem Frühstück. Mit ein paar durstigen Jägern und Holzfällern als Trinkkumpane im verräucherten Clubzimmer.
Helmut wollte von solchen Eskapaden nichts wissen, holte den Regenmantel aus dem Auto und ging angeln. Irgendwann am frühen Nachmittag, es schüttete immer noch, steckte er, vollkommen durchnässt, triefende Kapuze über nassen Haaren, den Kopf zur Tür herein und rief aufgeregt: ich habe gerade einen Riesenfisch drangehabt, ehrlich, auf die Fliege, aber er hat nicht richtig gesessen!
Unser trunkenes, schallendes Gelächter muss ihm nicht sonderlich gefallen haben, mit einem, versoffene Bagage, verschwand er wieder.

Der nächste Tag sah mich gerade noch in der Lage, Helmut von unserer Unterkunft im nahen Doljenske Toplice, zu Gustls Gostilna zu fahren. Damit er sich eine Angelkarte kaufen und fischen gehen konnte. Mir dröhnte der Schädel, der Rest des Körpers fühlte sich miserabel. Nur nicht bewegen; ich blieb einfach im Auto sitzen.

Nach ein paar Stunden zwang etwas in mir, mich zum Angeln fertig zu machen, etwas zog und ich kaufte eine Karte beim Gustl.
Helmut befischte eine kurze Strecke, gleich unterhalb des Ursprungs der Radejsica, genau dort hatte er am Vortag seinen Fisch verloren.


Wie in Trance stellte ich mich neben jenen besagten Apfelbaum. Aus dem schon arg dezimierten Fliegensortiment kramte ich eine braune heraus (später wurde sie als die Märzbraune identifiziert) und begann zu arbeiten. Werfen wäre der falsche Ausdruck. Irgendein Mittelding zwischen Rollwurf und Linemending brachte ein paar Meter Schnur aufs Wasser. Meine Rutenhand vollführte dann Bewegungen, ähnlich denen die beim Rühren mit dem Schneebesen gemacht werden, allerdings viel langsamer.  Da die Gespließte über drei Meter lang war und ich mich beim Rühren vorbeugte, trieb die Fliege nicht zu dicht ans Ufer herum.


Der Biss kam völlig unerwartet, ich reagierte nicht, sah nur ein Klatschen an der Oberfläche, dann rasselte Schnur von der Rolle. Die Plötzlichkeit und die Schnelligkeit mit der das passierte erschreckte mich, damit hatte ich nicht gerechnet.
'ne Ratte, Helmut, komm schnell, ich hab'ne Ratte dran! Mein panisches Geschrei muss die ganze Gegend informiert haben.
Helmut kam mit dem Kescher, sagte irgendetwas über Erblindungserscheinungen im Zusammenhang mit übertriebenem Alkoholkonsum, dann landeten wir eine 48 Zentimeter lange Regenbogenforelle, waren glücklich: es geht also doch.
Ich arbeitete wieder meine Leine aufs Wasser und hatte sofort den nächsten Biss, an der gleichen Stelle. Helmut kescherte wieder und dann gleich noch mal.


Jetzt lagen da drei Forellen im Gras, die Größte über 50 Zentimeter lang, gefangen innerhalb einer halben Stunde. Die vorhergegangenen Tage, an denen wir uns so vergeblich abgemüht hatten, zählten nicht mehr, existierten nicht mehr.

Am Abend saßen wir draußen auf der Bank an der Gostilna. Die Kumpels gratulierten uns zu unserem Fang, dobro ribar, Meisterfischejäger. Unsere Ruten hatten wir an die Hauswand gelehnt, die Spitze meiner Gespließten war krumm und Gustl schaute sich das Ding zufrieden an, nickte, das ganz altes Rute, aber eigentlich sagte er: die sind jetzt übern Berg.