Die Fliegen / Unsere Sedge
English
Deutsch
Mittwoch, 01.04.2020

Top Ten Fliegen für Irland

Die Freuden des Angelns auf einer DVD

Unsere Sedge

Eines der unzähligen Muster um Seggen oder Köcherfliegen zu imitieren. Allein in Europa gibt es etwa 900 Formen des natürlichen Insekts; weltweit fast 7000. Die Größen variieren von ein paar Millimetern bis zu sieben Zentimetern.
Köcherfliegen existieren in Flüssen wie in Seen, sie stellen darum eine wichtige Futterquelle für unsere Süßwasserfische dar, in Nymphenform wie auch als ausgewachsenes Insekt. Darum sollten wir mindestens ein Sedgemuster in der Fliegendose haben.


Details

Während eines Angelurlaubs in Bayern, das war 1976, beobachteten Helmut Becker, Kalle Hübener und ich hunderte von Köcherfliegen die am Abend über eine beleuchtete Schaufensterscheibe krabbelten. Die schauten wir uns genau an und versuchten sie zu imitieren.
Was wir produzierten wurde zu einem echten Erfolgsmuster; fängt Äschen, Bach- Regenbogen- und Meerforellen, Döbel, Rotfeder, Rotauge, Alande, Barsche, Häslinge. Wo immer Köcherfliegen vorkommen haben Sie gute Aussichten mit diesem Muster.

Der perfekte Haken für Unsere Sedge ist 2 x lang in Größen 8 bis 12, die Fliege kann aber auch kleiner gebunden werden.

Materialien (Trockenfliege)
Bindefaden: schwarz
Körper: Polypropylen oder synthetische (schwimmende) Wolle in hellbraun oder beige
Flügel: Segment irgendeiner innen lackierten, dunkelbraunen Feder
Hechel: Hahn, hell- oder rotbraun

Materialien (Naßfliege)
Bindefaden: schwarz
Körper: Naturwolle, soll sinken, in hellbraun oder beige
Rippung: Goldfaden
Hechel: Henne, hell- oder rotbraun, palmerartig eingebunden, die oberen Fibern abgeschnitten
Flügel: Segment der lackierten, dunkelbraunen Feder



Unsere Sedge entsteht

Der Gedanke meine eigenen Fliegen zu binden, diese Gebilde aus Haken, Federn, Garn und Wolle selber entstehen zu lassen, ließ mir keine Ruhe.

Gleich nach der Rückkehr von unserem ersten Jugoslawienurlaub wurden notwendige Werkzeuge und essentielle Bindematerialien gekauft. Sowie ein Buch zum Thema. Das Binden künstlicher Fliegen von William Ernest Davies. In den Fünfzigern des vergangenen Jahrhunderts in England unter dem Titel Flytying and some tackle making erschienen, kam es 1964 in deutscher Übersetzung auf den Markt. Das dünne Büchlein hatte nur grobe schwarzweiße Zeichnungen, half aber Bindetechniken prinzipiell zu verstehen.
Die ersten selbst gemachten Objekte sahen dann aber trotzdem wenig fängig aus: Proportionen stimmten nicht und die Dinger lösten sich meistens nach zehn Würfen oder so auf.

Fliegenbindelektionen waren Mitte der siebziger Jahre in meiner Ecke Norddeutschlands nicht zu haben. Also setzte ich mich wieder alleine hin, um meine Fertigkeiten zu verbessern. Nach einem Übungswinter hatten die Fliegen endlich eine gewisse Ähnlichkeit mit den, sorgfältig in kleinen Schachteln und Dosen gelagerten, Originalmustern.

Endlich kam der Sommerurlaub und damit die Zeit, meine Kreationen einem richtigen Test zu unterziehen. An die bayerische Alz zuerst, als Präludium für Jugoslawien.
Die Alz, der Ausfluss des Chiemsees, hatte im Jahr zuvor ein, durch Verschmutzung verursachtes, Fischsterben erlitten. Aber, so wurde uns vom Pächter versichert, hätten sich die Äschenbestände gut erholt, außerdem sei neu besetzt worden.

Es war allerdings nicht leicht in der Alz einen Fisch zu fangen. Etwa sechzig Meter breit, stellenweise dicht bewaldete Ufer und ein Flussbett übersäht mit faustgroßen Kieseln. Eine Wathose war unerläßlich, um auch nur ein paar Meter weit in den Fluss zu kommen. Die kräftige Strömung, abfallende Ufer und die Glätte der Kiesel erlaubten nur ein flußab gerichtetes, unsicheres Waten. Wir hobbelten mehr oder weniger über die runden Steine, von der Strömung vorwärts gedrückt. Um abzubremsen stemmten wir die Hacken tiefer in die Steine, schlidderten so nach ein paar Metern zum Stillstand. Dabei war ständig darauf zu achten, nicht in tiefere Bereiche abzudriften. Wir hatten dann ein paar Tage Waten in der Alz überstanden und fühlten uns in den Wathosen wie zu hause.

Die Fänge waren allerdings sehr mäßig. Zufälle oft. Nicht die richtigen Fliegen oder falsches Anbieten. Jedenfalls war’s eine ganz Zähe Angelegenheit.
Wir brauchten auch nicht lange von der Frau eines Angelkollegen überredet zu werden, mit nach Seebruck zu fahren. Dort sollte, mitten am Tag, auf einer Wiese ein Fest stattfinden.
Bajuwarisch bacchantisch. Blasmusik, Schweinebraten- und Würste, große Gläser und jede Menge Leute.
Als wir abends von dem Spektakel heimkamen, fanden wir, auf einer erleuchteten Schaufensterscheibe, hunderte von Köcherfliegen herumkrabbeln. Ein paar Exemplare schauten wir uns genau an: sie hatten sehr helle Körper und nicht, wie alle unsere Sedgeimitationen, dunkle.
Am Morgen kramten wir unsere Bindeutensilien aus dem Auto und versuchten die Beobachtungen vom Vorabend bindetechnisch umzusetzen.
Am Nachmittag starteten wir die ersten Versuche mit Unserer Sedge und stellten fest, dass wir einen Hit gelandet hatten.
Am Abend saßen wir auf der Veranda unserer Pension und banden mehr Sedges; für Jugoslawien.

Tatsächlich erwies sich unser Muster auch an Krka und Radejsica als ausgesprochen fängig. Wir fischten fast ausschließlich mit dieser Fliege, zweieinhalb Wochen lang, in den Größen 10 bis 18, von morgens bis abends. Wo immer Fische stiegen nahmen sie Unsere Sedge. Sie ist immer noch meine beste Trockenfliege. Ich habe die bisher Größte Äsche auf sie gefangen, zahllose Forellen, Döbel, Häslinge, Rotfedern, Rotaugen, Barsche, sogar Meerforellen sind darauf hereingefallen. Eine wahre Allroundfliege.