Die Fliegen / Der Handfeger
English
Deutsch
Donnerstag, 02.04.2020

Top Ten Fliegen für Irland

Fliegenbinden und Angeln auf Irisch.

Der Handfeger

Der österreichische Angler und Fliegenbinder Hans Graf hat mich mit diesem Hirschhaar-Muster bekannt gemacht. Er hat es in den frühen Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelt.

Der Handfeger stellt Maifliegen wie auch große Köcherfliegen dar. Das Hirschhaar als Flügelmaterial garantiert eine gute Schwimmfähigkeit, normalerweise ein Problem bei großen Fliegen.

Nachdem Körper-und Hechelfarben den örtlichen Gegebenheiten angepasst worden sind, fängt die Fliege überall wo große Trockenfliegen gebraucht werden.

Details

Der Originalhaken war 4x lang in Größe 10, aber jeder nicht zu schwere Langschenkel tut’s auch.

Materialien
Bindefaden: schwarz
Schwanz: Fasanenschweif, drei Fibern
Körper: gelb-grüne Wolle (Farbton hängt vom zu imitierenden Originalinsekt ab)
Rippung: Flachgold
Hechel: Hahn, braun; Palmerstil, Windungen weit auseinander liegend
Flügel: Hirschhaarbüschel




Der Handfeger


Sogar Trocken

Die Gacka ist das Paradebeispiel intermittierender ostseitiger Adriazuflüsse. So oder ähnlich trocken steht’s in Reiseführern. dass der Fluss sehr große Forellen beherbergt wird meistens gar nicht oder nur am Rande erwähnt.

Go to the Gacka, home of the Monstertrouts. Hinweisschilder bei Sinac am Fuße des kroatischen Gacko Polje, der 460 Meter hoch gelegenen Ebene durch die, oder besser: in der die Gacka fließt, sind da deutlicher.

Der Fluss kommt fertig aus dem Berg, fließt glasklar für 9 oder 10 Kilometer und versickert dann. Verschwindet einfach nach seinem kurzen überirdischen Intermezzo, bei Srpsko Polje, mitten in einer Wiese.

In der Gacka wachsen die Forellen in kurzer Zeit zu außergewöhnlichen Größen ab. Im karstigen Flussbett gedeihen überall Mengen von Wasserpflanzen. Die beherbergen Insektenlarven und andere kleine Wasserlebewesen wie zum Beispiel Gammarus, Corixa, Perla. Dieses Überangebot an Nahrung, verbunden mit einer fast konstanten Wassertemperatur von 13,2° C, repräsentieren perfekte Bedingungen für das Forellenwachstum.
Ende September wurde aus Gacka-eigener Zucht besetzt: die 18 Zentimeter Fischlein hatten bereits im folgenden Mai die stattliche Größe von 42 Zentimetern. Vier-oder Fünfpfünder waren keine Seltenheit.
Aber sie sind nicht leicht zu fangen. Außerhalb der Maifliegenzeit stehen sie tiefer, nehmen vorwiegend vorbeitreibende Nahrung und es ist ja wahrlich nicht leicht, seine Nymphe bei starker Strömung, in zwei oder drei Meter Tiefe anzubieten.

Nach zwei wenig erfolgreichen Gackabesuchen, jeweils im Juli, entschied ich mich dazu, es einmal im Mai-Juni zu versuchen, hoffte die Maifliegenzeit zu erwischen.
Während der ersten paar Tage schaffte ich es ein paar Regenbogenforellen zwischen 35cm und 55cm auf eigenschwere Nymphen zu fangen. Sogar eine Bachforelle von über 50cm fiel auf eine Bachflohkrebsimitation herein.
Auf meine Trockenfliegen allerdings ging nichts, obwohl große Mengen an Maifliegen und Sedges auf dem Wasser waren und die Fische zu gewissen Zeiten wie im Rausch, Fliege auf Fliege von der Oberfläche saugten.

An der Bar des Gackahotels, da war dieser Wiener Angler, Hans Graf, der behauptete: troockn nehmans scho aa und i mog waanns zapp mochn. Dabei schnalzte er mit der Zunge, das hörte sich an wie die Forelle beim Einschlürfen einer Fliege.
Oh Mann, das ist ja 'n echter Fall, dachte ich, fragte noch nicht mal nach der Fliege, mit der er das denn bewerkstelligte.

Am nächsten Tag unternahm ich dennoch einen erneuten Versuch mit der Trockenfliege. Es ging aber nicht; meine Muster waren entweder zu klein oder sahen nicht natürlich aus. Die größeren gingen unter, weil das verwendete Material nicht schwimmfähig genug war, den schwereren Haken zu tragen.
Als ich, schon leicht genervt, wieder auf meine erprobte Nymphe umsteigen wollte, erschien dieser eigenartige aber freundliche Wiener Kollege. I mog waanns zapp mochn, schnalzte wieder mit der Zunge, oba heit sans scho heikl.
Dann zeigte er mir seine Trockenfliege. Der will dich veräppeln, war mein erster Gedanke als ich das monströse Ding sah: Körperlänge vier Zentimeter, mindestens, mit gewaltiger Hechel und einem Büschel irgendwelcher Haare obendrauf. Mann ist das ein Handfeger! Das ist doch 'n Streamer und keine Trockenfliege, der Kerl hier will dich foppen. Als hätte er meine Gedanken gehört, brachte er mit ein paar eleganten Schwüngen Schnur und Fliege aufs Wasser. Und das Ding schwamm! Sah genau aus wie eine Maifliege.
Ich habe mir in dem Moment geschworen, Neuem mit mehr Offenheit und innerer Toleranz zu begegnen.

Am Abend in der Hotelbar drückte mir Hans Graf etwas Hirschhaar sowie ein dutzend dieser überlangen, dünnschenkligen Haken in die Hand: sie soiten eahna a poa Droockene mochn, dann lachte er, i mog waanns zapp mochn, und schnalzte mit der Zunge.