Die Fliegen / Die Jungle and Gold
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Sonntag, 19.01.2020

Top Ten Fliegen für Irland

Fliegenfischen als Leidenschaft.

Die Jungle and Gold

Ein großes, streamerähnliches Ding, skandinavischer Herkunft, benutzte ich zwischen 1979 und 1986, um in norddeutschen Flüssen Herbstzander zu fangen. Das Auffälligste an dem Ding war der große aus Jungle Cock gebundene Flügel.

1986 zog ich nach Donegal und benutzte Jungle Cock Federn fast ausschließlich zum Lachsfliegenbinden. Auch dabei werden die ganz kleinen Federn nicht gebraucht. Da nun Jungle Cock teuer ist, dachte ich über Möglichkeiten nach, die Überbleibsel zu verwerten Das Resultat ist die Jungle and Gold. Sie fängt sehr gut Bachforellen am Anfang der Saison, ist aber eigentlich eine Meerforellenfliege.

Details


Unglücklicherweise setzte der Rückgang der irischen Meerforellenpopulation ein, bevor das volle Potenzial der Jungle and Gold getestet werden konnte.
Die Haken sollten klein sein: 12 bis 16 ist was ich benutze.

Materialien
Bindefaden: schwarz
Anhängsel: Goldfaden, drei Windungen
Schwanz: Goldfasan, Kragen
Körper: Flachgold
Rippung: Goldfaden
Flügel: Jungle Cock, nur eine Feder, flach obendrauf gebunden
Hechel: Henne, schwarz; zwei Windungen



Die Jungle and Gold

Über den Dingen

Stundenlang über Berge und das irische Hochmoor zu wandern, um viertelpfündige Bachforellen in entlegenen Seen zu fangen, ist nicht jedermanns Sache und war ganz sicher nicht meine. Bis ich Raymond Richard Robinson traf.
Mmh, saftig! Die schmecken großartig, er schloss die Augen, verzog genießerisch den Mund, viel besser als Lachs. Eigentlich schmeckt ja fast alles besser als Lachs.

Wir brüteten stundenlang über Landkarten, suchten nach diesen magischen Plätzen: so weit wie möglich von Straßen und besiedelten Gegenden entfernt, wo mehrere Seen, dicht beieinander liegend, über einen Bach miteinander Verbindung haben. Wir wussten bald, dass auf etwa zehn Seen mit kleinen Fischen, einer kommt der die Großen hat: Forellen von über zwei Pfund. Also suchten wir auf unseren Karten entlegene Gegenden, getupft mit möglichst vielen Seen, spekulierten wie und von wo aus am besten hinzuwandern sei.

Traumhafte Tage: mit Landkarte und Kompass durch die Hügel und Berge Donegal's zu streifen; auf der Suche nach Seen, manchmal auch nur Tümpel; waren erstaunt wo Forellen überleben können. Gingen fünf Stunden übers Hochmoor, um an einen See zu gelangen, von dem wir nicht wussten ob Fische drin sind. Da gibt es keine Pfade oder Wege, du kletterst und wanderst, um am Ende ein Wasser zu finden, dessen Forellen kaum schwerer als ein viertel Pfund werden. Dafür gibt’s bei jedem Wurf einen Biss.

In anderen Seen fängst du den ganzen Tag nur ein oder zwei Fische, die haben dann aber ein Gewicht von jeweils zweieinhalb Pfund.
Manche Gewässer haben gar keine Fische. Wie ein unglückliches Übersehen hat der liebe Gott, manche sagen die letzte Eiszeit war’s, vergessen zu besetzen.

Die Felsformationen, auf denen die Seen liegen, sind ausschlaggebend für den Pflanzenwuchs, also auch das Vorkommen und die Dichte von Kleinlebewesen im Wasser. Gibt es viele Pflanzen, haben die Fische meistens viel zu fressen und werden groß.
Basalt, Schiefer oder Gneis lassen nicht viel wachsen, wie auch der Granit: das Wasser hier ist schwarz, Wasserpflanzen sind kaum vorhanden, die Fische klein und dunkel, beißen oft gierig auf jede Fliege.

Nur über einen kleinen Hügel und es bietet sich ein ganz anderes Bild: im See hier wächst Schilf und Kraut, das Wasser hat die Farbe guten irischen Whiskeys oder ist ganz klar. Fische sind deutlich größer, golden in der Farbe. Der See liegt auf einer Kalk-oder Sandsteinformation, die oft den überall vorhandenen Granit abgrenzen.

Da gibt es Seen, in denen eine Hälfte der Forellenpopulation rosa Fleisch hat, die Andere weißes; offensichtlich ernähren sie sich unterschiedlich.
In anderen Seen scheint der Bestand nur aus Fischen einer Größe zu bestehen. Kommt man im nächsten Jahr wieder, ist die gesamte Population uniform gewachsen.
Da gibt es Seen, in denen haben wir noch nie eine kleine Forelle gefangen und da gibt es Seen, von denen ich immer wieder träume.
Die Einmaligkeit und die relative Unversehrtheit dieser Berglandschaft hinterlassen tiefste Eindrücke. Nektar, pflegt Ray zu sagen. Wir sitzen auf einem Felsen am See, essen unsere Brote, trinken Wasser aus einem Bach, genießen den Blick hinunter auf die Brecher des Atlantik.

Ray kramt noch mal Landkarte und Kompass aus den Taschen seiner Wachsjacke hervor, wie geht’s jetzt weiter?

Da lang. Nord-Nordwest, hinter dem Felsvorsprung da hinten müsste der nächste See liegen. Sollten wir in einer halben Stunde schaffen.
Jeder hier oben verbrachte Tag ist unvergesslich. Einzeln kommen sie plötzlich nach Jahren wieder ganz frisch in die Erinnerung. Bilder zuerst, als Fragmente, bis sich puzzleähnlich der Tag als erlebte Gesamtheit erneut präsentiert: wie da vollkommen unvermutet vom Seeufer aus eine Steilküste und das Meer dahinter sichtbar werden, weil der Nebel höher steigt; wie der See, plötzlich, mitten im Höherklettern, sozusagen als Gipfel vor dir liegt und das reflektierte Sonnenlicht die Augen blendet; wenn du oben auf dem Kamm bist und die kreisrunde Wasserfläche im Talkessel wie ein Spiegel scheint und du erst mal stehen bleibst und guckst, nur guckst. Du bist hier über den Dingen. Fishing on top; der Tag den wir in den Wolken verbracht haben. Von morgens bis abends nur driftende Wolken, wie die Fliegenschnur bei jedem Wurf im Grau verschwand, ein Berg oder ein Teil des Sees für eine Sekunde kurz sichtbar wurde, um sofort wieder eingehüllt zu werden; die Freude wenn der See, vorher nur ein Fleck auf der Landkarte, nach stundenlanger Wanderung endlich vor dir liegt, die Oberfläche voll von Ringen steigender Forellen und die Freude über die drei Fische die du mit nach hause nimmst. Falken hast du am Hang über dir gleiten sehen, von Aufwinden getragen, Bussarde, Schafstelzen, Eisvögel und Krickenten, Moorhühner den Fischreiher und Wildgänse. Da gibt es in einer Vegetation, die auf den ersten Blick so einfarbig aussieht, verschiedene Orchideen und Krokusse, Seerosen, Kressen, Mohrbohnen, Marschveilchen, Heidelbeeren und verschiedene Heidearten, Wacholdersträucher die sich wunderschön über Felsen spreizen, dem Wind nicht die geringste Angriffsfläche bieten; Moose und Farne; Seen verschwinden, Seen entstehen; unzählige Bäche und Rinnsale, teilweise unterirdisch, hörbar nur unter den Füßen, dann tritt das Wasser wieder ans Licht, bildet einen kleinen Gumpen, du setzt eine Fliege drauf: Biss. Sie sind in jedem Loch. Du findest Reste von großen Baumstämmen-und Wurzeln. Im Torf konserviert zeugen sie von einer vollkommen anderen Vegetation in der Vorzeit. Wo die Erosion die Baumreste freigelegt hat ist deutlich zu erkennen: das waren nicht vereinzelte Exemplare, hier haben einmal ganze Wälder voller Baumriesen gestanden. An den Ufern einiger Seen wachsen heute nur ein paar spärliche Weiden und Äschen, im Windschatten, zerzaust, Wachstum gering. Das ist jetzt Hochmoor. Du liebst diese Landschaft oder lehnst sie ab, eine Indifferenz ihr gegenüber ist kaum möglich.

Zwei oder drei Fliegen am Vorfach, in den Größen 12 bis 14, nie ohne Bibio. Große Insekten gibt es hier oben kaum, meistens ist es etwas kleines Schwarzes oder Braunes das einen plagt: verschiedene Formen der Zuck- und Kriebelmücke gibt es überall. Wasserasseln finden sich in jedem See und sind ein guter Indikator bezüglich des Fischbestandes: wenn die nur im geschützten Uferbereich umherschwirren gibt es Fische im See, sieht man sie über tieferem Wasser, weiter draußen, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass es keine gibt.

An manchen Tagen, da steigen hundert oder mehr Forellen nach der Fliege, aber sie nehmen nicht richtig; sehr interessante Tage, und so schwer einen Fisch zu fangen. Zeit für die Jungle and Gold. Es gibt Seen, die sind so flach, dass überall Schilf und Binsen wachsen, in den paar freien Flecken dazwischen fängst du gute Forellen; fast Schwarz, golden, stockig mit kleinen Köpfen und roten Punkten, saftig sind die, schmecken in jedem Fall besser als Lachs.


Loughs Shivnagh and Nadeal, Blue Stack Mountains, Co. Donegal, Ireland