Die Fliegen / Die Schneeflocke
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Samstag, 18.01.2020

Top Ten Fliegen für Irland

Fliegenbinden und Fliegenfischen auf Irisch

Die Schneeflocke

Ein Missverständnis, das in den April 1988 zurückgeht, ist für die Entstehung dieser, wirklich leicht zu bindenden Fliege, verantwortlich.

Raymond Richard Robinson gab mir, am Ufer des Owenea River, die verbale Beschreibung einer super Meerforellenfliege, die es aber, unglücklicher Weise, in den Läden nicht mehr zu kaufen gab.

Was ich dementsprechend produzierte enttäuschte ihn, ziemlich.
Wir haben die Fliege aber trotzdem ausprobiert: fingen Meerforellen, Bachforellen und als Zugabe noch ein paar Lachse damit.

Details


Die Schneeflocke, oder Snowdrop, sollte immer als Strecker benutzt werden; die Strömung muss damit spielen können. Im zeitigen Frühjahr ist die Fliege ausgezeichnet zum Bachforellenfischen.
Die besten Größen sind 10 bis 14.

Materialien
Bindefaden: Schwarz
Anhängsel: Silberfaden
Schwanz: einige Fibern einer weißen Hennenhechel
Körper: Flachsilber
Rippung: Silberfaden
Hechel: Henne, weiß, zwei Windungen.

 

 




Die Schneeflocke


Zieh' ein Willie

Paddy O' stand in der Tür seines Cottage. Er sah zum Fluss hinunter. Es hatte den ganzen gestrigen Tag und die halbe Nacht geregnet. Nun sah es so aus, als würde die Sonne jeden Moment durch die Wolken brechen. Es würde ein guter Tag werden, gut genug jedenfalls um im Torf zu arbeiten.
Paddy ging zu seinem Schuppen hinüber und holte die Angel, eine uralte Gespließte mit Nottingham Rolle; die Ringe aus verzinktem Weidedraht, mit Isolierband befestigt, sahen nicht so gut aus wie die Originalen, aber sie taten's auch. Würmer als Köder waren immer im alten Farbeimer.

Im Torf zu arbeiten und Angeln gehörte für Paddy O' zusammen, das war immer so. Der Fluss war nah am Torffeld und wenn sich ein frischer Fisch zeigte, wurde die Arbeit abgebrochen und eine halbe Stunde oder so geangelt. Das war Brauch seit Generationen; der Pool trug sogar Paddy's Familiennamen.

Den bereits gestochenen Torf umdrehen und aufhäufeln, immer sechs oder sieben Stücke, Haufen neben Haufen, das war, was Paddy an diesem Tag machen wollte: den Torf zum Trocknen aufstellen; und vielleicht ergab sich ja auch die Möglichkeit einen Fisch zu fangen.
So ging nun unser Mann mit seiner Angelrute und dem Farbeimer hinunter in den Torf.

Dass der fast taube William M. bereits am Pool saß und seine Angel ausgelegt hatte, störte anfangs überhaupt nicht. Old Willie versenkt seine Würmer sowieso immer mit viel zuviel Blei. Der hat keine Ahnung vom Lachsangeln. Du musst jeden Zoll des Pools mit deinem Wurm absuchen, mit ganz wenig Blei an der Schnur. Das ist ‘ne Kunst. Paddy lehnte seine Angelrute gegen einen leuchtend gelb blühenden Ginsterbusch und begann die Arbeit mit seinem Torf.

Willie sah nicht wie der Fisch in der Mitte der Strömung rollte, einmal nur.
Paddy sah es. Nur Kopf und Schwanz des Lachses waren ganz kurz sichtbar. Trotzdem erkannte Paddy, dass es ein frischer Fisch war, etwa 15 Pfund schwer. Und, überlegte er, der einzige Platz um auf diesen Fisch zu angeln ist genau der, wo Old Willie sitzt.

Ein weiterer Haufen Torf war aufgestellt, Paddy O' streckte sich; wegen der vielen Bückerei schmerzte der Rücken. Der Fisch zeigte sich gerade noch einmal. Silbern und frisch vom Meer rollte, er erneut an der gleichen Stelle.
Willie saß bewegungslos. Ist er zu seiner Taubheit nun auch noch blind geworden? Paddy schnappte seine Angel und den Wurmeimer, ging hinüber zum Fluss, stellte sich genau neben Willie.
Hallo Paddy, das ist ja nun ein schöner Tag.
Nicht zu schlecht, Paddy beobachtete wie Willie von seinen Lippen las, sprach langsam und klar: wie geht’s mit der Angelei, tut sich was?
Old Willie schüttelte den Kopf, nichts zu sehen, vielleicht ist es noch ein bisschen früh im Jahr.
Nichts zu sehen, wiederholte Paddy ganz leise, diesmal bewegte er seine Lippen kaum.
Aber man weiß das ja nie, vielleicht gibt's doch schon den einen oder anderen Fisch, Willie schaute auf seine Rutenspitze.
Paddy starrte auf den Platz im Fluss wo sich der Lachs gezeigt hatte. Dann, langsam, drehte er sich wieder zu Willie, der reglos auf seinem Felsen saß. Paddy machte einen Schritt hinter einen Granitbrocken, bückte sich blitzschnell, hob den faustgroßen Stein auf, versteckte ihn hinter seinem Rücken und versuchte ein möglichst unschuldiges Gesicht aufzusetzen. Ein Blick zu Willie vergewisserte ihn, dass der von dieser Aktion nichts mitbekommen hatte. Paddy holte weit aus und warf den Stein so weit er nur konnte flussabwärts.

Natürlich hat Old Willie den Aufschlag nicht gehört, unser Schlaumeier hatte ihm schnell auf die Schulter zu klopfen und auf die großen konzentrischen Ringe im Fluss zu deuten. Das war ein guter Fisch da unten, sagte er deutlich und klar in Willie's Gesicht.
Der Trick funktionierte gut: es dauerte keine Minute und Willie ging flussabwärts um seine Würmer genau dort anzubieten wo der Stein gelandet war.

Nun köderte Paddy an. Die Würmer trieben dreimal über besagte Lachsstelle, beim vierten mal fühlte er einen leichten Zupfer, wartete ein paar Sekunden und schlug an. Die alte Nottingham Rolle rasselte los, der Fisch saß und raste sofort flußab.
Zieh ein Willie, zieh ein, Paddy erahnte die Katastrophe, zieh ein Willie!! schrie er noch mal. Willie saß aber nur bewegungslos neben seiner Rute. Erst als die Spitze vehement ruckte, weil der Lachs an Paddy's Angel in die Schnur geschwommen war, stand Willie auf und schlug kräftig an.

Paddy wurde die Rute fast aus der Hand geschlagen als die Schnur riss. Er rollte die schlaffe Leine schnell ein.
Hast du das gesehen?! Willie, immer noch ohne Ahnung was wirklich passiert war, drehte sich um, hast du den Biss gesehen?! Aber ich muss ihn irgendwie nicht erwischt haben, darf's denn wahr sein?!
War bestimmt ‘n guter Fisch Willie, sehr guter Fisch, sagte Paddy nicht zu laut, bevor er zu seinem Torf zurückging.

An dem Tag hat er nicht mehr zum Pool hinuntergeschaut um zu sehen ob vielleicht irgendwo ein frischer Lachs springt.