Die Fliegen / Die Wickham's Fancy
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Sonntag, 12.07.2020

Top Ten Fliegen für Irland

Die Freuden des Fliegenfischens auf DVD

Die Wickham's Fancy

Im Deutschen wird sie auch Goldfliege genannt; eines der fängigsten Muster überhaupt, auf Lachs wie Forelle.

Dr. T.C. Wickham und sein Fliegenbinder Freund Jack Hammond hatten ein Kommunikationsproblem. So entstand die Wickham's aus einem Missverständnis heraus. Das war im Jahr 1884.

Ich binde die Goldfliege gern mit Kupferdraht als Rippung, um sie etwas schwerer zu machen. Gefischt wird sie dann am Ende des Vorfachs.

Details


Ab Juni, wenn die Köcherfliegen da sind, ist die Wickham's Fancy eine hervorragende Forellenfliege. Größere Versionen machen sich gut am Lachsvorfach.
Hakengrößen sind von (6) 8 bis 12.

Materialien
Bindefaden: Schwarz
Schwanz: ein paar Fibern einer hellbraunen Hennenfeder
Körper: Flachgold
Rippung: Goldfaden oder Kupferdraht
Hechel: Henne, hellbraun
Flügel: ursprünglich vom Star, aber gepunktete Truthahnfedersegmente scheinen für dunkles, irisches Wasser besser. Ebenso wie Segmente aus der Fasanenschweiffeder.




Angeln und Fliegenbinden; die Wickham's Fancy


Eine neue Einsicht

Ich parkte meinen alten, rostigen Klapperkasten vor dem Hotel, ging direkt zur Rezeption und fragte nach Dr. M. aus Dublin.
Der hat gerade sein Frühstück, informierte mich Deirdre. Sie kam hinter ihrem Schalter hervor, führte mich in den Speisesaal, zu einem Tisch, an dem ein korpulenter Mann mittleren Alters vor einem großen Teller mit Würstchen, Spiegelei, Bauchspeck, gebackenen Bohnen, Pilzen und Toast saß.

Guten morgen, Sir, sagte Deirdre, hier ist ihr Angelführer.
Klasse, nehmen sie Platz und eine Tasse Tee. Dann erzählen sie mir was wir heute machen. Hat es genug geregnet? Ist genug Wasser in den Flüssen?
Ich bejahte beide Fragen, fügte hinzu dass Regenschauer zu erwarten sein und schlug vor zum Owenea zu gehen um auf Lachs zu fischen.
Großartig, sagte Dr. M., das hört sich ja gut an.

Ein paar Minuten später standen wir an der Rezeption und Deirdre stellte eine Tageskarte für den Owenea aus (ja, es gab tatsächlich mal eine Zeit, da es so einfach war eine Angelkarte in Irland zu lösen). Wir verließen das Hotel, gingen zu meinem roten, rostigen Vehikel hinüber.
Da lassen sie uns lieber Meinen nehmen, sagte der Doktor und deutete auf einen silberfarbenen Mercedes.
Ist mir recht, sagte ich und holte meinen Angelkram aus dem Kofferraum und lud es in den Daimler um.
Die Fahrt war komfortabel, allerdings für meinen Geschmack etwas zu hastig. Als wir von der Hauptstraße auf den kleinen Weg zum Fluss hinunter abbogen, hörten wir deutlich wie die Schotterstraße an der Unterseite des Wagens kratzte.
Vorsichtig, mahnte ich.
Ist doch nur ein Auto, sagte der Doktor philosophisch und erdete das Auto noch zwei mal bevor wir zu einem kleinen Parkplatz kamen.

Wissen sie, ich habe noch nie einen Lachs gefangen. Ehrlich gesagt habe ich überhaupt noch nicht viel auf die Fliege gefangen. Ich habe mit dem Fliegenfischen erst im Frühjahr angefangen. Welche Fliege empfehlen sie mir denn für heute? Habe ich überhaupt was passendes?
Der Doktor reichte mir eine goldene Fliegendose, in die ich einen kurzen Blick warf.  Sie haben alles was sie brauchen, versicherte ich, und noch etwas mehr, wählte zwei Fliegen aus und machte ein Vorfach für den Gast.

Vom Parkplatz bis zu einem Gumpen namens Gubbin war es, über einen Zauntritt, nur ein kurzer Weg; genug um dem Doktor Schweißperlen ins Gesicht zu treiben.
Eine grüne, hölzerne Fußbrücke am Ende des Gumpen war unser Ziel. Zwei Felsbrocken im Fluss oberhalb der Brücke waren überspült, perfektes Wasser, sagte ich, da ist ein guter Platz genau vor dem großen Felsen in der Mitte. Wenn sie auf den Busch am anderen Ufer zuwerfen, kommt die Fliege genau richtig.
Mit dem Wind im Rücken, Arm-und Beinbewegungen die Rumpelstilzchens Tanz ums Feuer ähnelten, entfaltete der Doktor seine Leine und präsentierte nicht einmal schlecht.
Als die Fliegen herumgetrieben kamen, vor den Felsen, erschien ein heftiger Schwall an der Wasseroberfläche. Die Strömung löste die Ringe schnell auf.
Ich wartete auf des Doktors Anschlag, aber der Mann war perplex, sogar als ich: anschlagen! sagte, schien er auf einem anderen Planeten zu sein.
Als ich noch mal: anschlagen! rief, hob er endlich die Rute und etwas das groß und silbrig aussah klatschte im schnellen Wasser bei den Felsen.
Jesus, Maria und Josef, sagte mein Gast.

Jetzt nur nicht zu viel Druck geben, rief ich, sonst geht der Fisch unter der Brücke durch und wir sehen ihn nie wieder.
Der Lachs kam aber erstmal flussauf, so schnell, dass der Doktor nicht mit dem aufkurbeln der losen Leine nachkam. Er konnte nicht richtig Kontakt aufnehmen. Dann raste der Fisch flußab. Durch die starke Strömung am Ende des Pools unterstützt, wurde er wie ein Torpedo immer schneller. Als die Schnur sich mit enormem Druck straffte, nickte die Rute kräftig nach unten. Der Doktor hatte von der Richtungsänderung des Fisches nichts mitbekommen, er kurbelte immer noch. Erst als die Angel zurückschnellte und der Fisch weg war, hörte er auf.

Für ein paar Sekunden standen wir bewegungslos und stumm da. Dann rollte der Doktor den jämmerlichen Rest seiner Schnur ein, ich bin ein glücklich verheirateter Mann, sagte er dabei, aber das hier war das Aufregendste das mir seit langer Zeit passiert ist. Ich hoffe sie verstehen mich nicht falsch.
Meiner Lebtag nicht, sagte ich.