Die Fliegen / Der Soldier Palmer
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Montag, 30.11.2020

Top Ten Fliegen für Irland

Fliegenbinden und Fliegenfischen in Irland

Der Soldier Palmer

Ursprünglich eine sehr alte Forellenfliege (entstanden um 1800) für die schottischen Seen. Sie wurde von mir, auf Vorschlag von Ray Robinson, in ein befremdlich oder sogar monströs aussehendes Ding verwandelt. Aber keine Frage: es fängt Lachse.
Wegen seiner Größe und schwere kann der Soldier Palmer leicht tief gefischt werden, wenn er als Strecker verwendet wird.

Details


Es kommen eigentlich nur zwei Hakengrößen für den Soldier Palmer in Betracht: 4 oder 6, auf Einzelhaken gebunden.

Materialien
Bindefaden: rot
Schwanz: hellrote Wolle
Körper: hellrote Wolle, gedubbed
Rippung: Kupferdraht
Hechel: Henne, hellbraun, Palmerstil.




Der Soldier Palmer


Unschlagbar! Fairy Brown and Soldier Palmer

Wo der Eanybeg in den Eanymore fließt haben die beiden Flüsse einen kurzen, tiefen Pool ausgewaschen: eine Stelle die immer einen Versuch auf Lachs oder Meerforelle wert ist.
Ich fischte die Strecke sehr gründlich ab, denn es zeigten sich einige silberne Fische. Genau vor mir wälzte sich ein Lachs, ganz dicht am Ufer. Die Schnur kürzer nehmen und sofort anbieten war eine automatische Reaktion. Meine Fliegen, Shrimp Fly und Black Widow, trieben genau auf den vermuteten Standort des Fisches zu. Wetter und Wasser waren ideal, nur die Fische glaubten es nicht.

Zeigt sich was? Ich hob meinen Blick vom Wasser auf das andere Ufer, wo die Frage herkam. Ein Mann in weißen Watstiefeln, Gummimantel und blauer uralt Adidastasche (München 1972) über der Schulter stand da. Ein etwa zwölfjähriges Mädchen daneben trug den Kescher. Beide lächelten zu mir herüber.
Ja, antwortete ich, ab und zu sieht man schon was, nur beißen tun sie nicht.
Der Mann fragte lächelnd ob ich etwas dagegen einzuwenden hätte, dass er den Pool etwas weiter oben befischt.
Nicht das Geringste, rief ich hinüber und die beiden verschwanden hinter ein paar Büschen. Ihre Anwesenheit wurde nur durch die Rutenspitze und die Flugschnur verraten. Sie segelte durch die Luft und legte sich glatt aufs Wasser nieder.

Ich wollte mich wieder auf meine Fischerei konzentrieren, da kam das Mädchen mit dem Kescher um den Busch herum, tauchte das Netz ins ruhige Wasser am Rand des Pools. Kurz danach sah ich die weißen Watstiefel den Fluss herunterkommen. Die Rutenspitze durchgebogen drillte er eine gute Meerforelle. Das Mädchen kescherte geschickt.
Beide lächelten zu mir herüber und verschwanden mit ihrer Beute wieder hinter dem Gebüsch.
Es bot sich das gleiche Bild wie vorher: die Rutenspitze war zu sehen und die Schnur, wie sie durch die Luft flog, aufsetzte und von der Strömung herumgetrieben wurde. Dann war da ein kurzer Zupfer und ein Schwall. Diesmal war es etwas Größeres.
Das Mädchen erschien wieder, tauchte den Kescher an der gleichen Stelle ins ruhige Wasser und wartete auf den Fisch. Aber der zog flussauf, schlug kräftig an der Oberfläche und war frei. Ein Lachs von etwa sechs Pfund, schätzte ich. Sie nahm den Kescher aus dem Wasser, ging wieder hoch zum Gebüsch, zeigte aber vorher noch ihr freundliches Lächeln und kam sofort wieder zurück: diesmal war es wieder eine Meerforelle.

Das gibt's doch gar nicht, der hat einen Fisch nach dem Anderen und ich stehe hier nur rum und mache nichts als Stilübungen! Ich rief hinüber: worauf beißen sie?
Auf eine Fliege! kam als Antwort.
Das sehe ich, aber auf welche? !
‘ne kleine Braune! die beiden verschwanden dann, lächelnd, hinter dem Busch.
Eine Bachforelle und eine weitere Meerforelle kamen als nächstes.

Ich hatte die Nase voll und ging zur Brücke hinunter. Neillie, der Gewässerwart, stand da und beobachtete die Sache, kennst du den? fragte er, deutete auf einen schwarzen Kombi der am Straßenrand bei der Brücke geparkt war.
Nein, ich brachte meinen Frust langsam unter Kontrolle, der fischt da oben hinter dem Busch und fängt einen nach dem Anderen.
Neillie schüttelte erstaunt seinen Kopf, is' nich' wahr!
Es war aber wahr, weil das Mädchen gerade wieder den Kescher ins Wasser tauchte.
Da muss ich hin, mal sehen, vielleicht hat der ja überhaupt keinen Angelschein.

Von der Brücke aus sah ich Neillie am Ufer entlangeilen. Er erreichte Mann und Mädchen als sie den gerade gefangenen Fisch wieder frei ließen.
Das ist der fairste Angler den ich je gesehen habe, berichtete Niellie später, der hat einen Lachs von bestimmt vier Pfund glatt wieder zurückgesetzt, war ihm nicht groß genug.
Auf welche Fliege? wollte ich wissen.
Die macht er sich selber, hat er mir erzählt, aus irgendwelchen Sachen die er im Haus findet; Teppichflusen, alte Pullover und so. Sah so'n bisschen aus wie die Fairy Brown.
Fairy Brown! Das ist doch noch nicht mal ‘ne richtige Lachs-oder Meerforellenfliege, dachte an meine mit soviel Aufwand und Raffinesse gebundenen Kunstwerke.

Genau zwei Wochen später radelte ich wieder zum Eany hinunter. Der schwarze Kombi stand schon da.
Heute werd ich's dem zeigen!
Er war diesmal allein und fischte natürlich seinen Platz hinter dem Gebüsch. Also ging ich wieder auf der anderen Seite den Fluss hinauf.
Beim ersten Wurf folgte ein guter Fisch meiner wunderbaren Shrimp Fly. Ein großer Schwall brach zur Oberfläche, das war alles, keine Berührung mit der Fliege.

Nach ein paar weiteren, vergeblichen Würfen, wechselte ich auf den Silver Doctor, konnte den Fisch aber auch damit nicht mehr bewegen.
Tut sich was? Mr. Fairy Brown stand plötzlich neben mir.
Ein guter Fisch ist hier gerade nach meiner Fliege gegangen, hat aber nicht genommen. Versuchen sie's doch mal, dann gehe ich etwas flussauf.
Ich kam nicht weit.

Hupp! rief er als seine Fliege genommen wurde. Und weil sein Kescher etwas zu klein für so einen großen Fisch schien (obwohl er später felsenfest behauptete damit Fünfzehnpfünder gelandet zu haben), gaffte ich seinen Lachs. Und sah dieses rote Ding, diese rote Fliege im Fischmaul, was ist das denn?!
Soldier Palmer, wieso?
Ich schluckte ein paar mal, wieder so ein Ding von dem du noch nie was gehört hast, und so primitiv, das darf ja alles nicht wahr sein. Lächelte tapfer, gratulierte dem Mann zu seinem Fang und schwor mir: ab jetzt werden Soldier Palmer und Fairy Brown feste Bestandteile meines Fliegensortiments; verachte bloß nicht die Unscheinbaren.


Weight Forward – Ray’s New Line