Die Angelsaison / Frühjahr
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Donnerstag, 22.10.2020

DEDICATION

The fly-fishing movie with a difference, ein Programm in englischer Sprache.

Ein Tag im Wilden, Westen Donegals


Bachforellen im März

Für den Bachforellenangler sind Winter und Schonzeit immer viel zu lang. Manchmal befürchte ich vergessen zu haben, wie das mit dem Fliegenfischen überhaupt funktioniert, nach all den Monaten der Abstinenz.
Die vielen Fliegen, die du im Winter, an all den langen Abenden gebunden hast, warten geduldig in den Schachteln darauf, getestet zu werden.

Dann kommt der erste März, da geht in Irland die Forellensaison los, und es scheint wie eine Erlösung zu sein, an diesem Tag zu erwachen. Aber meistens ist es viel zu kalt, viel zu windig, viel zu nass, oder die komplizierteste, unangenehmste Mischung aus den eben genannten.

"Normalerweise wird's nach St. Patrick's Day besser", hat mir ein Angler vor 20 Jahren mal erzählt. Globale Erwärmung und Treibhauseffekt haben dieser fundamentalen Wirklichkeit und Weisheit, bezüglich der Forellenangelei in Irland, nicht viel anhaben können.
Obwohl manchmal Wetter und Wasserstände am ersten März ein paar Stunden Angelei erlauben, gibt es meist nur ein paar Zupfer, selten ist etwas für die Bratpfanne dabei. Sie wollen es einfach noch nicht nehmen.

Ich liebe es, an diesen ersten Tagen der Bachforellensaison, zu den kleinen Bergbächen zu gehen. Die sind so frisch und lebendig, wie die Forellen die darin schwimmen. Oft ist man erstaunt wie groß die Fische sind, die in diesen kargen Gewässern leben. Bäche, oft nur einen Meter breit können, für den der bescheid weiß, zu einem richtigen Angelparadies werden.

Die Forellen in diesen Miniflüssen sind normalerweise die ersten, die an die Fliege gehen. Wenn in den Seen und größeren Flüssen noch nichts los ist, nehmen diese Bergbachforellen schon gierig die Fliege.

Mit einer üblichen 9 oder 10 Fuß Rute Klasse 7 oder so, ist man an solchen Wassern ziemlich überbewaffnet. Das Geschirr sollte ein bisschen zarter sein. Ein feines Rütchen Klasse 4 oder 5 mit passender DT Schnur ist genau richtig.
Weite Würfe sind auch nicht notwendig. Die Kunst des Werfens besteht hier darin, erstmal den Bach, anstatt die Ufer zu treffen.

Wenn du erstmal den Bergbach gefunden hast, ist die aussichtsreichste Stelle dort, wo das Wasser in einen Gumpen oder eine Vertiefung rauscht. Die langsamen Strecken geben meistens keinen Fisch her, obwohl sie so viel versprechend aussehen.

Tiefe und Geschwindigkeit sind Natürlich auch hier zu beachten. Langsam und tief führen, ist alles was ich dazu zu sagen habe. Um runter zu kommen ist eine schwere Nymphe sehr geeignet. Eine Ritz-D mit ein paar Windungen Kupferdraht hat für mich immer gut funktioniert. Sie sinkt gut, und die Fische mögen sie auch.

Wer mit Springer fischen möchte sollte einen Butcher 30 cm, über der Nymphe anbringen. Das kann Wunder wirken.

Ich freue mich jedes Jahr auf diese ersten Angeltage im März. Freue mich auf die Bergbäche Irlands mit den flinken Forellen und auf die Tage an der frischen Luft, die irgendwie deutlich sagen: der Winter ist vorbei.

 

 

 




Catching a "Storm Trout" in a Donegal Mountain Lake


Zeit für den Butcher

Wenn der St. Patrick's Day (17 März, wenn Sie nicht zu vertraut mit den irischen Feiertagen sind), vorüber ist und das Wetter im Allgemeinen etwas besser wird, kann der passionierte Angler es kaum erwarten, an die Seen zu kommen.

"Die stehen aber immer noch tief" werden jetzt einige sagen, aber das ist nichts weiter, als eine ganz lahme Ausrede, um den Nachmittag am warmen Ofen zu verbringen.
Wer mit Leidenschaft angelt ist anders, muss raus ans Wasser. Sturm, Wind, Regen, niedrige Temperaturen, große Wellen, nichts kann vom Angeln abhalten. Natürlich ist das kein Tag, um mit dem Boot draußen zu sein. Du wanderst am Ufer des Sees entlang und versuchst, den Wind in den Rücken zu bekommen, weil es unmöglich ist, in ihn hinein zu werfen. Eigentlich suchst du auch ein bisschen Schutz hinter der kleinen Klippe oder der Baumreihe, alles was den Wind etwas bricht ist willkommen.

Erinnerungen an andere stürmische Märztage tauchen auf, erzählen dir wo besonders gründlich gefischt werden sollte, wo du es etwas länger versuchen solltest. Bei dieser kleinen Bucht, an dem Felsbrocken, vor der winzigen Insel, unter der überhängenden Weide, nah dem kleinen Bacheinlauf. Du hast diese Plätze alle schon mal gefischt und du hast da überall schon mal Fische gefangen. Du kannst dich dran erinnern, dass der See hier mal voller Ringe von steigenden Forellen war und jeder Wurf mit einem Biss belohnt wurde.
Heute ist es allerdings anders. Mitte März erwartest du auch nicht viele Steiger. Tief und langsam ist die Regel für den Tag. Eigentlich sollte eine schwere Nymphe funktionieren, aber das hast du bereits wieder und wieder ohne richtigen Erfolg versucht. Was so wunderbar in den Flüssen klappt, bringt in den Seen nicht das gewünscht Resultat. Offensichtlich ist die im See lebende Bachforelle, zu dieser Jahreszeit, nicht besonders scharf auf Insektenlarven. Fliegen die kleine Fischchen imitieren, laufen da schon besser als die Nymphen. Ein Muster, jetzt schon über 170 Jahre alt, scheint das genau zu tun und hat für mich schon etliche male die erste Forelle des Jahres gefangen. Der Butcher.

Den Standard Butcher meine ich, den mit dem roten Schwanz, silbernem Körper und Rippung, schwarzen iridisierenden Entenfedern und schwarzer Hennenhechel. Wer gerne mit zwei Fliegen angelt, sollte die Bibio als Springer versuchen, das ist eine gute Kombination. Langsam und tief gefischt, habe ich so schon oft im März Fische gefangen, wenn die meisten Angler glaubten, es sei immer noch viel zu nass, zu windig oder zu kalt. Also, wenn es mal wieder März ist, und Sie aus dem Fenster schauen und nicht wissen, ob der Platz für den Nachmittag am Ofen oder am See zu finden ist: entscheiden Sie sich für den See und das Angeln. Packen Sie aber vorher ein paar Butcher in die Fliegendose.

Lough Fad, County Donegal


Das Kombinationsspiel

Eine April-Forelle aus dem Unshin River, Co. Sligo.

 

Waehrend der Forellensaison hat mein “Zweifliegenvorfach Kombinationsspiel”, bezueglich unserer Nassfliegen, eine Konstante: Die BibioDie faengt die ganze Saison ueber und wird von den Bachforellen so geliebt, weil sie ziemlich perfekt alles und nichts darstellt.

Im Maerz rettet eine Kombination aus Bibio als Springer (wo sie immer ist) und Butcher als Strecker oftmals den Tag.  In der fruehen Saison nehmen viele Forellen den Butcher, wenn er tief und langsam gefischt wird.  Er wirkt dann sicher als Reizfliege, da es ziemlich  unmoeglich ist, zu sagen was er imitiert oder imitieren soll.  Ganz sicher keine Fliege.  Trotzdem, am Anfang der Saison ergaenzen sich Bibio und Butcher wunderbar und wirken manchmal kleine Wunder.

Gefangen auf eine heftige Wickham's.

 

Wenn die ersten richtig milden oder sogar warmen Tage des April an unseren Gewaessern ankommen, ersetze ich den Butcher durch eine Sooty OliveDie ist kein spezielles Muster, sondern eine Generalisation aller moeglichen Olivfarbenen.  Anfang April laeuft die Kombination besonders gut waehrend der waermsten Stunden, so zwischen 11 Uhr und 13 Uhr.

 

Die Sooty Olive geht wieder in die Fliegendose zurueck wenn die ersten Koecherfliegen erscheinen.  Das ist meistens im Mai, manchmal aber schon Ende April.  Jetzt ist die Zeit fuer die Goldfliege oder Wickham’s Fancy oder die Invicta.  Das bleibt so bis zum Ende der Saison.  Invicta wie auch Wickham’s koennen heftig sein, sie imitieren keine Miniaturinsekten, sonder Koecher –und Maifliegen.  Also die Groessen 8 oder 10 sind okay, sogar in den Berseen mit relativ kleinen Forellen.

Fliegen sollten nicht mehr als 90 cm voneinander entfernt sein.

 

Das ist jedes Jahr das Gleiche, immer das gleiche “Kombinationsspiel”.  Wie die Jahreszeiten einander folgen, folgen auch die verschiedenen Fliegen -und Insektenarten nacheinander und bringen mich zu dem Schluss: du musst nur das Richtige zur richtigen Zeit am richtigen Ort tun und schon faengst du fische.  Meinem “Kombinationsspiel” folgend brauche ich nur 5 Fliegen um Bachforellen von Maerz bis Oktober zu fangen.

P.S.  Zum Schluss noch etwas zum Vorfach: so lang wie moeglich, die Fliegen nicht weiter als 90 cm voneinander entfernt.


The Bibio, never be without one!